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Ist Achtsamkeit egoistisch?

BuddhaBoo steht für die positiven Auswirkungen von Achtsamkeit und Meditationen für Kinder. Forschende der University Buffalo (USA) zeigen in ihrer Studie jetzt jedoch mögliche Kehrseiten von Achtsamkeit auf unser prosoziales Verhalten. Also macht Achtsamkeit wirklich egoistisch? Wir wollten herausfinden, was dahinter steckt und was das für dich und uns bedeuten könnte.

Achtsamkeit und positive Auswirkungen

Achtsamkeit bedeutet ganz aufmerksam im Hier und Jetzt zu sein und bewusst alles wahrzunehmen. Das bedeutet auch, sich der eigenen Gedanken und Gefühle bewusst zu sein und damit die Aufmerksamkeit absichtlich auf den gegenwärtigen Moment zu lenken, sich nicht ablenken zu lassen und nicht mit den Gedanken abzuschweifen. 
Wenn wir achtsam mit uns selbst sind, können wir herausfinden, was wir tatsächlich fühlen. Dabei geht es nicht darum, Gedanken und Gefühle zu kontrollieren oder abzustellen, sondern diese wahrzunehmen, ohne uns von ihnen beeinflussen zu lassen.
Bestimmt hast du auch schon öfter davon gehört, wenn du hier auf unserem Blog gelandet bist.

Zahlreiche nationale wie internationale Studien belegen den grundsätzlichen sowie effektiven Nutzen von Achtsamkeits- und Meditationsübungen. Ob für Kinder oder für Erwachsene, durch besagte Übungen kann zum Beispiel die Aufmerksamkeit gesteigert, Stress reduziert, Ängste bewältigt und das Immunsystem gestärkt werden. Auch die Schlafqualität und das allgemeine Wohlbefinden profitieren von den positiven Effekten. 
Achtsamkeit ist wie eine Art „Gehirn-Muskel“ und kann auch so trainiert werden. Je mehr wir uns in Achtsamkeit üben, desto leichter fällt es uns, den Alltag achtsam zu gestalten.

Wie beeinflusst Achtsamkeit das Verhältnis zu unseren Mitmenschen?

Wie beeinflusst nun also Achtsamkeit das Verhältnis zu unseren Mitmenschen? Werden wir dadurch achtsamer und offener gegenüber unseren Mitmenschen oder kümmern wir uns nur noch um uns selbst? Es ist beides möglich, belegen jetzt Forschende der University at Buffalo. 

Dass Achtsamkeit und Meditation also helfen können, Stress zu reduzieren und unser Wohlbefinden zu steigern, ist uns bekannt. Forschende der University Buffalo wollten nun jedoch herausfinden, wie sich Achtsamkeit auf persönliche Verhaltensweisen auswirken kann und stellten dazu die These auf:

Achtsamkeit kann egoistisch machen.

Michael Poulin, PhD in Psychologie der University Buffalo College of Arts and Sciences

Die Studie der University Buffalo

Unter der Leitung von Michael Poulin und Shira Gabriel, Professoren für Psychologie an der Universität in Buffalo, wurden eben genannte Auswirkungen von Achtsamkeit untersucht. Dafür wurden zwei Studien mit mehreren Hundert Teilnehmenden durchgeführt.
Zunächst sollte untersucht werden, wie unabhängig oder abhängig sich die Testpersonen von anderen Menschen fühlen. Damit ist in der Sozialpsychologie folgende Denkweise gemeint: 

“Abhängig” bedeutet eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen Personen. Das Verhalten der einen Person beeinflusst also das Verhalten der anderen Person und umgekehrt. Es existiert dann eher ein Wir-Bewusstsein. Michael Poulin vermutet, dass die Achtsamkeit dort eindeutig prosozialer ist.

“Unabhängig” bedeutet, dass die Menschen viel Wert auf Freiheit und emotionale Unabhängigkeit legen. In westlichen Ländern sehen sich die meisten Menschen als unabhängig, sie haben demnach ein Ich-Bewusstsein. Hier könnte Achtsamkeit deshalb zu weniger prosozialem Verhalten führen.

Anschließend führten die Testpersonen eine Achtsamkeitsübung durch. Die Kontrollgruppe wurde schließlich informiert, vor dem Gehen an eine Wohltätigkeitsorganisation spenden zu können. Bei den Menschen, die als unabhängig eingestuft wurden, beobachteten die Forschenden, dass sie sich weniger prosozial verhielten, also weniger spendeten, als die abhängigeren Teilnehmenden.

Bei einer zweiten Studie sollten sich die Testpersonen für eine Achtsamkeitsübung entscheiden, die ihnen helfen sollte, sich entweder als unabhängiger oder abhängiger zu sehen. Die Achtsamkeitsübungen und das Kontrollverfahren waren dabei gleich wie in der ersten Studie. Allerdings wurden die Teilnehmenden diesmal gefragt, ob sie sich für einen Online-Chat mit potenziellen Spendern anmelden würden, um Geld für eine wohltätige Organisation zu sammeln.

Unter den Personen, die sich als unabhängig fühlten, war dabei die Bereitschaft freiwillig zu helfen um 33 Prozent gesunken, während sie bei den als abhängig geltenden Teilnehmern um 40 Prozent stieg.
Laut Forschenden zeigten die Ergebnisse deshalb, dass Achtsamkeitstechniken egoistisch machen können. Besonders bei Menschen, die sich als unabhängig sehen, verringerte Achtsamkeit das prosoziale Verhalten. Im Gegensatz dazu steigere Achtsamkeit jedoch prosoziale Handlungen bei Menschen, die sich selbst als voneinander abhängig betrachten. 

Die Ergebnisse sind dabei vor allem abhängig von der Kultur, in der Menschen leben. 
Achtsamkeitspraktiken kommen ursprünglich aus ostasiatischen Ländern, in denen Menschen sich häufiger voneinander abhängig sehen und prosozialer handeln, als in westlichen Ländern, wo Menschen oftmals unabhängiger und dadurch auch egoistischer seien.

Achtsamkeit richtig umsetzen

Das Fazit lautet also, dass uns Achtsamkeit manchmal tatsächlich egoistischer macht. Wenn wir uns sowieso als unabhängig sehen, dann können die Praktiken diese Tendenz noch verstärken. Achtsamkeit kann uns selbst zwar definitiv glücklicher machen, die Welt wird dadurch jedoch nicht automatisch besser.

Die Forschenden betonten jedoch, mit der Studie nicht die Wirksamkeit von Achtsamkeitsübungen infrage stellen zu wollen, sondern diese bestmöglich als Werkzeug einzusetzen, um einen prosozialen Umgang zu fördern. 
Jeder Mensch sei nämlich, trotz der Tendenz sich abhängig oder unabhängig zu fühlen, in der Lage sich durch speziell angeleitete Achtsamkeitsübungen mehr in einer Gemeinschaft zu sehen und so gleichzeitig positive Ergebnisse im Persönlichen wie im Sozialleben zu erzielen. 

Also lasst uns gemeinsam achtsam sein – für uns und unsere Gemeinschaft.
Wenn ihr schon bei euren Jüngsten mit Achtsamkeitstraining starten wollt, schaut doch mal in der BuddhaBoo App vorbei und lernt die positiven Effekte von Achtsamkeit kennen.
Mit den angeleiteten Meditationen und Fantasiereisen könnt ihr auf spannende und kindgerechte Weise die Welt der Meditation und Achtsamkeit entdecken.

Die Studie der Universität in Buffalo findet ihr hier: https://www.buffalo.edu/news/releases/2021/04/006.html

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