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Interview mit Sabrina Hollender

Wie freuen uns sehr, unseren ersten Interviewgast in diesem Blog begrüßen zu dürfen. Sabrina Hollender aka “Crazy Mom”, Coach, Bloggerin, Podcasterin, Mutter und Ehefrau, spricht mit uns über die Themen Achtsamkeit in der Familie und liebevolle Kommunikation.

Hallo Sabrina, kannst du vielleicht am Anfang etwas über dich erzählen, damit unsere Leser wissen, mit wem sie es zu tun haben?

Ich liebe mein Leben als Frau und Mutter! Ich liebe Leichtigkeit und ich streu mir selbst Glitzer in mein Leben, wenn ich welches möchte! Meinen Alltag verbringe ich mit meinem Mann, unseren drei Söhnen und unserem Border Collie in unserem Haus in Krefeld am schönen Niederrhein! Ich liebe die Natur und bin dort gern unterwegs, früher gern zu Pferd, heute eher zu Fuß!

Als ich mein erstes Kind geboren habe, veränderte sich mein ganzes Leben. Ich konnte mich zu 100 Prozent drauf einlassen und genoss diese unglaubliche Kraft dieser Transformation und dem Findungsprozesses!

Ich stieß auf Vorurteile, auf Annahmen der Gesellschaft, eigene Glaubenssätze und Wertvorstellungen. Ich habe es aber mir selbst und meinen Kindern zu liebe geschafft, das alles aufzusprengen und jetzt mit fünf absolut unterschiedlichen Charakteren ein recht harmonisches und liebevolles Zuhause zu leben!

Ich wurde Mutter mit Leib und Seele – obwohl ich früher noch nicht mal unbedingt Kinder wollte! Heute bin ich sehr glücklich, wie das alles gekommen ist.

Wie bist du zu den Themen Achtsamkeit und liebevolle Kommunikation gekommen?

Viele Menschen beschweren sich, dass die Zeit rennen würde. Das ist natürlich totaler Quatsch, weil Zeit generell einzig eine Erfindung der Menschen ist und sie auch immer gleich schnell vergeht. Hinzu kommt das Problem, dass vor allem die Menschen, die nicht ins Detail gucken, ständig überlegen was morgen passiert oder was gestern war. Selten sind sie im hier und jetzt, ganz im Gegenteil zu unseren Kindern.

An den wachsenden Kindern werden wir uns bewusst, wie schnell die Zeit vergeht. Sind wir allerdings achtsam mit uns selbst, mit unserer Zeit und unserer Umwelt, haben wir eindeutig mehr vom Leben. 

Ich bin dankbar, dass ich das schon verstanden hatte, bevor ich Kinder bekam und fing schon 2011 an, mich in Achtsamkeit zu üben.

Und da unser Leben zum größten Teil aus Beziehungen besteht – Beziehung mit ständiger Kommunikation einhergeht und das gepaart mit ganz viel Liebe einfach extrem glücklich macht, war dieser Zusammenhang für mich schon lange klar.

Deine Herzensangelegenheit ist das Thema liebevolle Kommunikation in der Familie. Kannst du kurz erklären worum es dabei geht?

Kurz ist schwierig, ich könnte stundenlang zu diesem Thema schreiben… 

Es ist meine Herzensangelegenheit, weil ich hierin den Schlüssen für ein glückliches und harmonisches Leben sehe.

Alle Menschen – Kinder und Erwachsene – müssen im Alltag ständig kooperieren. Das kann sehr anstrengend sein. Wenn wir unsere Bedürfnistanks nicht im Blick haben oder zum Beispiel ständig gegen unsere persönlichen, wichtigen Werte arbeiten müssen, dann führt das zu Frust, Wut und genereller Unzufriedenheit. 

Zu Hause sind wir in der sogenannten Wohlfühlzone. Hier fühlen wir uns sicher, geborgen und geliebt. Das ist auf der einen Seite natürlich total schön und gut. Auf der anderen neigen wir aber genau deshalb dazu „den Müll“ an schlechten Emotionen hier raus zu lassen. Das führt dazu, das wir genau die Menschen verletzten, die wir eigentlich am meisten lieben. Und das führt extrem schnell in eine Abwärtsspirale, aus der viele junge Familien allein nicht rauskommen.

Versteh´ mich nicht falsch: jedes Gefühl – ob positiv oder negativ bewertet – hat seine Daseinsberechtigung. Deshalb schaue ich beim Thema liebevolle Kommunikation erst einmal, dass wir Frauen und Mütter hören wie wir mit uns selbst reden. Dann mit Partner und Kind. Wir beschäftigen uns auf unterschiedliche Weise mit unseren Werten und schauen genau hin, wie wir aus unseren Kindern mental gesunde Erwachsene werden lassen können.

Es geht darum, dass wir grundsätzlich in der Familie klären, dass alle Mitglieder gesehen werden und jeder seinen Raum bekommt um sich zu entfalten, zu hinterfragen und auch wertgeschätzt zu werden.

Grundsätzlich sind Liebe und Harmonie nicht etwas, was man heute macht und das dann für immer genau so bleibt. Es ist ein Prozess und die Entscheidung diesen jeden Tag aufs Neue ins Leben zu integrieren. Außerdem verändert es sich – wir verändern uns – Bedürfnisse und Gefühle ändern sich … Es ist also alles ein lebendiger Vorgang!

Wie geht man das Thema innerhalb der Familie, insbesondere mit Kindern, am besten an? Wie vermittelt man den Kinder das Konzept?

Im Grund ist es ganz einfach: durch Vorleben.

Kinder lernen die wirklich wichtigen Dinge im Leben durch abgucken und nachahmen. Ein Kind, das Gewalt als Antwort erfährt, wird auch Gewalt als Antwort wählen. 
Ein Kind, das ehrliche Liebe als Antwort erfährt, wird auch Liebe als Antwort geben.
Ein Kind, das erfährt, dass seine Wünsche und Bedürfnisse für andere Menschen wichtig ist, wird auch später andere Menschen wertschätzen. 
Kinder, die eine sogenannte Streitkultur zu Hause erleben, die regeln Konflikte im Leben besser.

Kannst du in dem Zusammenhang das Wort Streitkultur noch einmal erklären und wie das mit liebevoller Kommunikation einhergeht?

Ja gern. Auch, wenn man im Alltag liebevoll miteinander umgeht und kommuniziert, dann kann es trotz alledem zu Konflikten kommen. Und aus einem Konflikt kann selbstverständlich auch ein Streit entstehen – wir Eltern sind nahezu täglich am Limit und sicher auch mal im roten Bereich. In solchen Situationen ist eine sogenannte Streitkultur wichtig. Streitkultur bedeutet soviel wie “guter Umgang in Streit-Situationen”. In einer Familie zählen für mich dazu, dass sich die Erwachsenen streiten, aber die Verbindung nicht verlieren. Das sie sich nicht beleidigen, dass nicht einer als Gewinner und einer als Verlierer aus dem Streit geht. Dass nicht einer abhaut und der andere weinend zurückbleibt. Eben, dass trotzdem die Liebe gelebt und gespürt wird. Es darf nie soweit gehen, dass ein Kind fragen muss “Mama, hast du den Papa jetzt nicht mehr lieb?”. Also Respekt und Wertschätzung des Anderen.

Wenn Streit mit den Kindern entsteht, dann ist es auch hier wichtig auf Augenhöhe zu bleiben. Es darf auch hier keiner als Gewinner oder Verlierer rausgehen. 

Liebevolle Kommunikation lässt sich auf nahezu alle Situationen anpassen – wenn man es ein bisschen flexibel nimmt. So kann jeder sein Gesicht wahren, wird gehört und darf sich auch im Streit wohlfühlen.

Dein Konzept der liebevollen Kommunikation basiert auf der gewaltfreien Kommunikation. Gibt es Unterschiede oder ist es nur der Name?

Ja und Nein. Die Gewaltfreie Kommunikation ist ein geniales und bewährtes Konzept, um wertschätzender miteinander umzugehen. Es hat sich seit viele Jahren in sämtlichen Bereichen bewährt. Eine wirklich geniale Arbeit von Marshall Rosenberg!

Liebevolle Kommunikation mit Partnern und Kind geht aber noch ein paar Schritte weiter! Ich intensiviere das Bewusstwerden der eigenen Werte und Bedürfnisse, weil Werte und Bedürfnisse mit der Transformation vom Paar zu Eltern eine ganz andere Bedeutung und Wichtigkeit bekommen. Das sind zwei grundverschiedene Ausgangssituationen, die optimalerweise zusammenpassen.

Außerdem spielt trotz Kinder die Beziehung zum Partner, eine wichtige Rolle. Diese Beziehung ändert sich maßgeblich, wenn Kinder ins Spiel kommen und diese Veränderung kann man nur positiv durchstehen, wenn man es schafft liebevoll miteinander zu kommunizieren. Dazu gehört auch, sich ohne Worte zu verstehen.

Wir kommunizieren bereits mit Liebe, bevor das erste Wort gesprochen wird: Zum einen bevor mein Kind überhaupt sprechen kann und zum anderen der Beziehungsaufbau jedes Mal bevor ich ein Gespräch anfange!

Wir stellen Überlegungen der eigenen Haltung zum Leben generell und zu anderen Menschen an, respektive dem eigenen Kind.

Mit Liebe kommunizieren beinhaltet auch weitere Schritte, um möglichst harmonisch mit vielen verschiedenen Charakteren unter einem Dach zu leben und jedem die Möglichkeit der Entfaltung, der Eigenständigkeit und auch des Zusammenseins zu ermöglichen.

Kannst du kurz zusammenfassen, was die weiteren Schritte sind, von denen du sprichst?

Das kann sehr individuell sein. Im Grund habe ich sie oben schon erklärt. Der wichtigste Faktor ist hier das Gefühl. Das Gefühl zu Hause sicher zu sein, sich auf jeden einzelnen verlassen zu können, wenigsten hier einen sicheren Hafen zu haben. 

Ich gebe gern Hilfestellung und kreative Unterstützung, wie das in den einzelnen Familien konkret ausschauen kann.

Ich biete jedem ein kostenloses Coachinggespräch von 60 Minuten an, in diesem ist mir die maximale Klarheit des Coaches wichtig ist. Klarheit über individuelle Möglichkeiten, Ziele und Hindernisse, die davon abhalten ein harmonisches Familienleben zu leben.

Außerdem habe ich immer verschiedene Angebote, zum Beispiel mein Gruppencoaching, wo sich jeder der möchte für eine zeitlang einklinken kann, um wieder neuen Schwung und Harmonie ins Familien leben zu bringen. 

Was ist der Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und liebevoller Kommunikation?

Achtsamkeit innerhalb der Familie bedeutet, dass jeder auf sich und den anderen achtet. Wenn wir liebevoll miteinander kommunizieren wollen, dann schließt das mit ein, dass wir uns verbal und nonverbal Aufmerksamkeit und Anerkennung geben. Außerdem, dass wir unsere Worte mit Bedacht wählen und unser Gegenüber mit seinen Gefühlen und seinem Anliegen sehen.

Abschließend noch ein paar Allgemeine Fragen.
Was ist dein Geheimnis für ein harmonisches Leben mit Kindern?

Haha, sorry, da muss ich dich enttäuschen. Es gibt kein Geheimnis! Es gibt auch nicht DEN EINEN Trick.

Im Großen und Ganzen ist es von Vorteil, wenn sich die Eltern über Ihre eigenen Bedürfnisse und Werte im Klaren sind und auch die des Partners. Hinzu kommen die Bedürfnisse, Gefühle und entstehenden Werte des Kindes bzw. der Kinder, die beachtet und respektiert werden müssen.

Essenziell wichtig ist natürlich, dass sie alle miteinander darüber reden können. 

Wenn dann die Erwachsenen „die fünfe auch mal gerade lassen können“, dann stehen die Chancen schon ganz gut, dass der Alltag allgemein verhältnismäßig entspannt und harmonisch wird.

Hast du oder habt ihr in der Familie eine Routine die euch als Familie zusammenschweißt?

Unsere Kinder sind noch klein, der Älteste ist gerade 5 Jahre geworden. Viele Routinen sind da noch nicht gewachsen. Aber wir lehren unseren Kindern, dass wir aufeinander aufpassen und dass wir am anderen interessiert sind. Zum Beispiel frage ich den Großen fast jeden Abend, was für ihn das Schönste an diesem Tag war. Und auch der Mittlere mit drei Jahren macht schon manchmal mit. Das ist wirklich interessant – vor allem, wenn ich es mal vergesse. Dann werde ich unverzüglich daran erinnert!

Wenn du anderen Eltern im Umgang mit ihren Kindern ein “Werkzeug“, Gegenstand, Dienstleistung, … empfehlen könntest, was wäre das?

Dreimal am Tag 15 Sekunden „Bodyscan“, also Achtsamkeit für sich selbst – das löst schon unglaublich viele Probleme!

Wie machst du das mit deinen Kindern oder ist das eher eine Praxis für dich selbst?

Sowohl als auch. Ich denke, es ist jedem klar, dass man bei sich selbst anfangen muss. Jeder einzelne für sich. Die Kinder können ab einem gewissen Alter einbezogen werden. So frage ich meinen 5 jährigen Sohn schon zwischendurch, ob es ihm gut geht oder was wir machen können, dass es ihm besser geht. Meinen dreijährigen frage ich, ob er ein komischen Gefühl im Bauch hat – ob das vielleicht Hunger oder Durst sein könnte. 

So baut sich das dann mit den Jahren auf und die Kinder lernen auf sich und ihr Gefühl zu hören

Drei Bücher, Podcasts oder Filme die du empfehlen kannst?

• Die Bücher von Nicola Schmidt vom Artgerecht-Projekt

• Film: wer es spirituell mag: Auf der Suche nach dem Glück oder der Klassiker: The Secret

• Podcasts natürlich meinen eigenen: Crazy Mom – der Podcast für nicht perfekte Mütter und Terrorkids von Janine Walder

Wo findet man dich online und wie kann man dich erreichen?

• Über meine Website www.crazy-mom.com findest du sämtliche Informationen und Angebote von mir.

 • Meinen Podcast „Crazy Mom – der Podcast für nicht perfekte Mütter“ findest du auf meiner Website und bei sämtlichen Podcastanbietern.

• Bei Facebook in meiner Gruppe „Liebevolle Kommunikation mit Partner und Kind“ gibt es alles rund um dieses Thema, inkl. Gruppen-Livesessions: https://www.facebook.com/groups/liebevolle.kommunikation/

• Bei Instagram: https://www.instagram.com/sabrina.hollender/

• oder einfach per Mail über podcast@crazy-mom.com

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